Vorschlag der gemeinsamen Kommission der Verbände Baden und Württemberg zur Struktur eines gemeinsamen Schachverbandes
Stellungnahme der Vizepräsidenten und des Vorsitzenden des SJB zur Präsidiumssitzung des BSV vom 14.01.2006
Wir bevorzugen ein Vorgehen in einer sachlichen Auseinandersetzung in dem Nachrichten, z.B. über Sitzungen und gefasste Beschlüsse von persönlichen Stellungnahmen streng getrennt sind. Zur Diskussion über eine denkbare Fusion der Schach-Verbände Baden und Württemberg folgt nun eine persönliche Stellungnahme dreier Präsidiumsmitglieder, und zwar der Vizepräsidenten und des Vorsitzenden der Schachjugend Baden.Auf Grund unterschiedlicher sachlicher Standpunkte zu der Frage einer Fusion mit dem Württembergischen Schachverband und der Darstellung auf der Homepage des Badischen Schachverbandes halten wir es hier für notwendig einige der im Bericht des Präsidenten nicht genannten Argumente für eine Fusion zu benennen:
1. Ein Bundesland - ein Schachbund
Im deutschen Schachbund ist Baden-Württemberg das einzige Bundesland, welches sich 2 Schachverbände leistet. Dieses hat historische Gründe. Die Frage ist, ob diese Gründe nach 50 Jahren Baden-Württemberg, und 35 Jahren Entscheidung der Badischen Frage (Volksabstimmung mit 85% pro Baden-Württemberg bei 15% Eigenständigkeit von Baden) noch aktuell ist.Ein Verweis auf andere Sportarten ist unseres Erachtens hier wenig hilfreich, da wir gehalten sind, für den Badischen Schachsport und seine Zukunft das Beste zu suchen.
Der Liste nicht fusionierter Verbände ließe sich eine Liste fusionierter Verbände entgegenstellen, was allerdings unserer Ansicht nach dem Schachsport wenig dienlich ist.
2. Politik als Fusionstreiber?
Es bestehen unterschiedliche Auffassungen in wie fern die Politik in naher Zukunft eine Fusion erzwingen wird. Sicherlich wird dieser Druck nicht direkt auf die Verbände ausgeübt, kein Politiker wird sich die Blöße geben, direkt Forderungen an den Sport zu stellen, die Eigenständigkeit des Sportes zu negieren – noch dazu im Wahlkampf. Die Eigenständigkeit des Sports wird allerdings über finanzielle Zuwendungen untergraben. Wir sind der Meinung, dass dies heute bereits geschieht und in Zukunft noch deutlicher werden wird. Niemand kann Politikern verbieten, bei der Zuteilung von Zuwendungen solche Fakten wie die Verbandsstruktur zu berücksichtigen – und wer Gesprächskontakt hat, erfährt solcherlei Zusammenhänge.Die Zusammenarbeit der beiden Schachverbände in den Bereichen Leistungssport, Schulschach und Jugend haben unter anderem genau diese Ursache, sind Reaktionen auf diese Sachzusammenhänge und Zwänge. In wie fern sich der Druck auf weitere Bereiche ausweiten wird ist heute schwer abzuschätzen, wir sind der Auffassung, dass ein Fusion aus freiwilligen Stücken einer aufgezwungenen Fusion auf jeden Fall vorzuziehen und dem Schachsport dienlicher ist. (Besser jetzt in Ruhe gestalten als in Zukunft getrieben werden.)
3. Professionalität oder Ehrenamt
Wir sind der Meinung, dass auf Dauer ein Verband nicht mehr ausschließlich ehrenamtlich geführt werden kann! Im Zeichen einer immer schneller werdenden Gesellschaft und einer immer größeren beruflichen Belastung ist es heute schon schwer - und es wird immer schwerer - hier die Anforderungen eines Ehrenamtes zu erfüllen. Die Ansprüche einzelner Schachspieler sind so gewaltig, dass sie Ehrenamtlich nicht mehr erfüllbar sind (wir erinnern hier nur an den Rücktritt von Bernd Walther).Hier würde eine professionell geführte Geschäftsstelle auf Teilzeitbasis die „Ehrenamtliche Arbeitszeit“ erheblich verkürzen, die Qualität verbessern und ihren ehrenamtlichen Funktionären den Rücken frei machen für die Aufgaben, für die sie gewählt wurden. Beruf, Familie und Ehrenamt wären wieder leichter miteinander zu verbinden.
Die finanziellen Mittel lassen sich in einem Schachbund mit 17.000 Mitgliedern leichter darstellen als wenn es Baden alleine stemmen müsste. Zudem kann von einem bezahlten Geschäftsführer eine höhere Präsenz, Präzision und Pünktlichkeit und eine verlässlichere Erreichbarkeit für alle Schachfreunde verlangt werden.
4. Historie oder Neuanfang
Selbstverständlich sind in 100 Jahren Bestehen der Verbände viele Besonderheiten gewachsen, z.B. Brettertausch, Ranglistensystem/Mannschaftsmeldung, Eigene von DSB abweichende TO, nahezu lebensunfähige Kleinbezirke, Delegiertensystem, usw.In der Natur des Menschen liegt es, lieber gewohntes zu behalten als sich auf Neues einzustellen. Um Neues zu erreichen, kann man selbstverständlich erst einmal alles in kleinsten Schritten aufeinander zu bewegen. Mathematiker nennen dieses eine „Vollständige Induktion“, die dazu führt dass man nie fertig wird. Andererseits ergibt die Neugestaltung eines Schachbundes als „logische Deduktion“ im Vorfeld einer möglichen Fusion die seltene Chance, alles Bestehende auf seine Zukunftstauglichkeit zu überprüfen um Bewährtes zu erhalten und „alte Zöpfe“ abzuschneiden.
In diesen Bereichen konnte keine Übereinstimmung im Präsidium erzielt werden. Dieses Thema soll in dem Führungskräfteseminar ausführlich diskutiert werden und dem Verbandstag vorgelegt werden. Oben angeführte Argumente sowie die Veröffentlichung der Überlegungen der Projektgruppen sollen Ihnen bei der Information und Meinungsbildung behilflich sein. Gerne würden wir mit Ihnen - den Mitgliedern des BSV, den Vereinsvertretern und den ehrenamtlichen Funktionären - auf dem Führungskräfteseminar am 04.03.2006 in der Sportschule Steinbach in Diskussion treten.
Christoph Kahl, Matthias Kramer und Holger Moritz


