Hintergrund - Badischer Verbandstag 2003

Bericht und Kommentar von Winfried Schüler

Der nachfolgende Bericht gibt meine persönlichen Eindrücke wieder und ist dementsprechend - besonders beim Thema Alkohol - sehr subjektiv gefärbt.
Winfried Schüler, Internet-Beauftragter

Teilnehmer des Bezirks

Der Bezirk war durch den 2. Vorsitzenden Heico Stückle (Gundelfingen) und die Delegierten Jens Höfflin (Dreisamtal) und Winfried Schüler (Ebringen) vertreten. Alle drei Bezirksvertreter sind Mitglieder des Bezirksvorstandes. Im Jahr 2004 findet der Verbandstag übrigens in Waldkirch-Kollnau statt, so dass dann der Bezirk hoffentlich vollzählig mit sieben Vertretern anwesend sein wird.

Situation im Präsidium

Die Stimmung im amtierenden und bis auf den freiwillig ausgeschiedenen Rainer Denz wiedergewählten Präsidium ist ziemlich schlecht. Präsident Eberhard Beikert wohnte dem Verbandstag über mehrere Stunden von einem Platz im Delegiertenbereich und nicht vom Platz des Präsidenten auf dem Podium bei. Falls das nichts zu bedeuten hatte, so sollte er bedenken, dass man als Delegierter angesichts der Äußerungen von Präsidiumsmitgliedern zu anderen Schlüssen gelangen musste.
Obwohl sich das Präsidium anfangs des Verbandstages zusammengerauft zu haben schien, ließ dann der Bericht des Schatzmeisters Wolfgang Finkbeiner den tiefen Riss im Präsidium erkennen. Er kündigte an, im Falle einer Wahl von Volker Widmann zum Vizepräsidenten sein Amt zur Verfügung zu stellen. Volker Widmann wurde von Eberhard Beikert in Schutz genommen.
Finkbeiner kündigte außerdem an, dass das erweiterte Präsidium am Vorabend des Verbandstages beschlossen habe, den säumigen beitragszahlenden Vereinen nunmehr eine letzte Zahlungsaufforderung zukommen zu lassen und danach bei nicht erfolgender Zahlung die satzungsmäßigen Sanktionen (Ausschluss vom Spielbetrieb) zu verhängen.
Ob sich das neu gewählte Präsidium tatsächlich wieder zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit wird durchringen können, bleibt zu hoffen, doch wie ein Delegierter meinte, seien die Wetterleuchten am Horizont unübersehbar.

Beschlüsse

Turnierordnung

Verbot des Verzehrs alkoholischer Getränke bei Spielen oberhalb der Bezirksligen

Die Ergänzung der Turnierordnung, nach der es künftig verboten ist, bei Schachspielen oberhalb der Bezirksliga im Spielbereich Alkohol zu verzehren, wurde mehrheitlich (etwa im Verhältnis 6:4) angenommen, ungeachtet der fragwürdigen praktischen Umsetzung: Es wird zwar der Verzehr alkoholischer Getränke nicht gestattet sein, aber so wie man auch beim Rauchverbot die Schachtel Cigaretten neben das Brett legen darf, wird man auch beim Alkoholverbot die Flasche Bier oder das Glas Wein weiterhin neben das Brett stellen dürfen (es steht ja nichts von "Lagern" in der TO). Zum Trinken wird man jedoch aufstehen und einen Meter zurücktreten müssen, um den Spielbereich zu verlassen.

Die Versammlung ließ sich vom Argument leiten, dass das Alkoholverbot zum Schutz der Jugend vor schlechten Vorbildern notwendig sei. Von den Freiburger Delegierten stimmte Jens Höfflin für die neue Regelung; Heico Stückle und Winfried Schüler stimmten dagegen.

Kommentar:
Wir dürfen daher demnächst erwarten: Verbot des Essens von Chips und Flips wegen der störenden Schmatzgeräusche, koffeinhaltiger Getränke wegen Verstoßes gegen die Dopingrichtlinien des IOCs (damit Schach endlich olympisch werden kann), Verbot von Shorts und Sandalen bei Männern sowie zu kurzen Röcken bei Frauen bzw. allgemein ein Verbot des Zeigens entblößter Körperteile unterhalb des Halses (außer den Händen und Unterarmen) für beide Geschlechter wegen Unsittlichkeit und damit verbundener Gefährdung der Jugend. Eng anliegende Kleidung wie Leggings oder Radfahrerbekleidung sollte auch verboten werden. (Für blonde Frauen ist in diesem Zusammenhang eine Kopftuchpflicht zu erwägen). Wir können in diesen Punkten ja bei unserer Bezirksturnierordnung eine Vorreiterrolle einnehmen und diese minimalen Regelungen zum Schutze der Jugend und der Seriosität des Schachsports noch ausdehnen.

- Haushalt

- Schachverband Baden-Württemberg

Es ist offenkundig das Ziel beider Verbände, im Jahr 2010 - anlässlich des dann anstehenden 100-jährigen Jubiläums des badischen und des württembergischen Schachverbandes - einen gemeinsamen Landesverband zu gründen.

Hierfür sollen ab kommendem Jahr Haushaltsmittel bereitgestellt und eine Kommission gegründet werden. Der Antrag ging mit großer Mehrheit durch. Von den anwesenden Delegierten des Bezirks enthielt sich Heico Stückle; Jens Höfflin und Winfried Schüler stimmten dagegen.

Zur Sachlage:
Beide Verbände sind derzeit auf Bezirksebene sehr unterschiedlich strukturiert. Württemberg weist dabei meines Erachtens derzeit leistungsfähigere Bezirksstrukturen auf. Man wird auf badischer Seite daher nicht um einen Neuzuschnitt der Bezirke herumkommen, wenn man auch auf Bezirksbene leistungsfähige, mit Württemberg konkurrenzfähige Strukturen schaffen will. Es ist auch klar, dass bei einer Neuordnung der Bezirke auf Landesebene auf die historischen Grenzen keine Rücksicht genommen werden sollte - schließlich ist beispielsweise der badische Bezirk Pforzheim jetzt schon zur Hälfte im alten Württemberg liegend.
Man kann auch davon ausgehen, dass der neue Landesverband eine möglicherweise hauptamtliche Geschäftsstelle in Stuttgart bekommen wird, andererseits könnte eine zentrale Struktur durch den Fortschritt in der Informationstechnologie gänzlich überflüssig werden. Die Entwicklung einer schlanken, dezentralen Organisation ist möglicherweise ein positiver Nebeneffekt des Zusammengehens beider Verbände. Der Leistungssport dürfte wohl in Baden-Baden konzentriert werden.
Winfried Schüler, Internet-Beauftragter